Liebe docfilm42-Community,
rechte Musik ist längst kein Randproblem mehr. In Deutschland dient sie als Türöffner für extremistische Ideologien – oft versteckt hinter eingängigen Beats und vermeintlich harmlosen Texten.
Ein eindrucksvolles Bild dieser gefährlichen Entwicklung seit den 1970ern bis in die Gegenwart zeichnet unser Film des Monats DEUTSCHE POP ZUSTÄNDE von Dietmar Post und Lucía Palacios. Der Film zeigt, wie rechte Musikgruppen bewusst Popkultur und Jugendbewegungen unterwandern, um Hassbotschaften zu verbreiten – oft subtil und deshalb umso wirksamer.
EPD Medien schreibt über den 2016 für den Grimme-Preis nominierten Film:„Deutsche Pop Zustände“ ist ein ungeheuer dichter, aus großem wie weitem Überblick entstandener, präzise argumentierender, Entwicklungen aufzeigender und kluge Fragen aufwerfender Film. Dass er wenige Antworten gibt, erhöht seine Wirkung. Wer ihn gesehen hat, kann lange über ihn diskutieren.“
Und gemeinsam diskutieren darüber könnt ihr mit uns bei unserem nächsten „DOC&TALK“ am Sonntag, den 4.5.2025, 19:00 Uhr im Anschluss an den Film.
Anmeldung hier und mehr Informationen unten.
Und auch auf unserem YouTube-Channel lohnt sich ein neuer Blick auf weitere Filmgespräche über „Nach der Zukunft“ (Regie: André Krumme) & „Mich vermisst keiner!“ (Regie: Erik Lemke) und „How About a Fascination of Mind“ (Regie: Katti Jisuk Seo & Finnja Willner).
Viel Spaß beim Gucken.
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Euch einen schönen Frühling
euer docfilm42 Team
Online doc&talk – Deutsche Pop Zustände
Sonntag, den 04.05.2025, 19:00 Uhr
DEUTSCHE POP ZUSTÄNDE
Regie: Dietmar Post & Lucía Palacios, 80 Minuten, 2016, Deutsch / Englisch UT, Deutschland
Jahrzehntelang galt Popkultur als modern und emanzipatorisch, längst aber ist sie Teil der gesellschaftlichen Mitte und hat sich merklich nach rechts geöffnet: Die Übergänge zwischen Mainstream und neonazistischen Ideologien sind inzwischen fließend.
Im ersten Bekennervideo des NSU werden die Songs „Am Puls der Zeit“ und „Kraft für Deutschland“ der populären Rechtsrock-Band „Noie Werte“ zur musikalischen Untermalung des Gezeigten verwendet. Musik spielte im NSU um Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe eine zentrale Rolle. Von ihnen ist bekannt, dass sie in der subkulturell geprägten neonazistischen Szene politisiert wurden und häufig auf Konzerte gingen.
Die rechtsextreme Musikszene, speziell das Netzwerk um „Blood & Honour“, hat später die untergetauchten mutmaßlichen NSU-Terroristen unterstützt. Die Szene baut zunehmend auf die mobilisierende Wirkung der Musik. Eine Idee, die sich auch die NPD zu eigen machte: Seit 2004 sucht sie „die Herzen von Jugendlichen durch Musik zu erobern“, indem sogenannte Schulhof-CDs an deutschen Schulen verteilt werden. Bis heute beschreiben diese CDs sehr genau den ideologischen Ist-Zustand rechter Musik.
Der Dokumentarfilm von Dietmar Post und Lucía Palacios zeichnet diese Entwicklungen nach und stellt Verbindungen zu sozialen und politischen Entwicklungen in Deutschland seit den späten 1970er Jahren bis in die Gegenwart her. Ähnlich wie in ihrem von ZDF/3sat koproduzierten pop-historischen Dokumentarfilm „Monks – The Transatlantic Feedback“, der 2008 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, arbeiten die Autoren auch in ihrem neuen Film mit Gesprächen, akribisch recherchiertem Archivmaterial und kommentarlos.
Für ihren Film haben sie Poptheoretiker und Soziologen, Musiker und Label-Vertreter sowie einen Aussteiger aus der rechten Szene und einen Ausstiegsberater mit einer umfangreichen Sammlung musikalischer Beispiele besucht und diese von ihnen analysieren, kommentieren und einordnen lassen.
Anschließend Gespräch mit Dietmar Post (Regie)
Moderation: Eberhard Spreng
Anmeldung hier.
