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Gegen den Strom

84 min. / 2019 / Deutsch, Spanisch (UT: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Katalanisch) / Deutschland

Tags: Flucht, Lateinamerika, Menschenrechte, Politik, Solidarität, Untergrund, Venezuela, Widerstand

Thomas Walter wird seit 25 Jahren als „linksradikaler Terrorist“ und „Mitglied einer terroristischen Vereinigung“ per Haftbefehl von der deutschen Bundesanwaltschaft gesucht. Im Frühjahr 2017 taucht er völlig unerwartet aus der Illegalität auf und beantragt in Venezuela Asyl.

Regie: Sobo Swobodnik
Kamera: Sobo Swobodnik, Elias Gottstein
Schnitt: Manuel Stettner
Produktion: Corso Filmproduktion

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Thomas Walter wird seit 25 Jahren als „linksradikaler Terrorist“ und „Mitglied einer terroristischen Vereinigung“ per Haftbefehl von der deutschen Bundesanwaltschaft gesucht. Im Frühjahr 2017 taucht er völlig unerwartet aus der Illegalität auf und beantragt in Venezuela Asyl.

Seit seinem Auftauchen arbeitet Thomas mit dem Berliner Sänger und Musiker der Band Irie Révoltés Pablo Charlemoine alias Mal Élevé an einem transatlantischen Musikprojekt zusammen. Sie schicken sich via Internet über Monate hinweg Songskizzen und Liedtexte zu, komponieren und schreiben gemeinsame Songs, um ein Sprachrohr für politische Themen zu schaffen, die sie bewegen und für die sie sich engagieren: Eine Welt ohne Grenzen, Hierarchien und Ausbeutung. Ein Leben gegen Rechtsradikalismus, Diskriminierung, Rassismus und für Widerstand.

Der Regisseur des Films, dessen Tochter die Nichte von Thomas Walter ist, reist im März 2019 zu Thomas in die Anden von Venezuela, um von ihm seine Geschichte im Untergrund, der Flucht und Illegalität zu erfahren und sein derzeitiges Leben in der schwierigen Situation Venezuelas festzuhalten. Während der Dreharbeiten besucht nicht viel später auch Pablo Thomas, um mit ihm das begonnene Album vor Ort fertigzustellen, was aufgrund der venezolanischen Realität, geprägt von Stromausfällen, Lebensmittelknappheit, Versorgungsnotlage und einer aufgeheizten politischen Stimmung einerseits sehr schwierig anmutet, andererseits die beiden unterschiedlichen Charaktere auch solidarisch noch mehr zusammenrücken lässt.

GEGEN DEN STROM ist ein Film über ein Land im Umbruch, über die katastrophale Situation in Venezuela, über einen seit 25 Jahren im Untergrund lebenden mutmaßlichen „linksradikalen Terroristen“, über die Flucht vor den deutschen Ermittlungsbehörden und über ein transatlantisches Musikprojekt, bei dem es um zerplatzte wie aufrechterhaltende linke Utopien geht, um Widerstand, politisches Engagement, sowie die Kraft und den Glauben an eine gesellschaftliche Veränderbarkeit durch Musik.

CAST
Thomas Walter, Pablo Charlemoine alias Mal Élevé, Jutta Schmitt, Bernd Heidbreder, Peter Krauth, Rafael Uzcategui, u.a.

CREW
Regie: Sobo Swobodnik
Buch: Sobo Swobodnik
Kamera: Sobo Swobodnik, Elias Gottstein
Schnitt: Manuel Stettner
Ton: Elias Gottstein, Sobo Swobodnik
Sounddesign: Tom Weber
Musik: Thomas Walter, Pablo Charlemoine
Produktion: Corso Filmproduktion
Grading: Martin A. Kuhnert

Verleih: Partisan Filmverleih

SOBO SWOBODNIK
Aufgewachsen im Katholischen und der dörflichen Enge des konservativen Schwabenlands in der Helmut Kohl – Zeit, frühe Politisierung, Antiatomkraftbewegung, dann Schauspielstudium, Theater, später Journalismus. Heute Schriftstellerei
und Filme.

„Klassenkampf“, Dokumentarfilm
„Therapie für Gangster – Suchtkranke Straftäter in der Forensik“, Dokumentarfilm
„6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage – Die Morde des NSU“, Dokumentarfilm
„Sexarbeiterin“, Dokumentarfilm
„Lebe schon lange hier“, Dokumentarfilm
„Silentium – vom Leben im Kloster“, Dokumentarfilm
„Unplugged:Leben Guaia Guaia“, Dokumentarfilm
„Der Papst ist kein Jeansboy“, Dokumentarfilm

Widerstand, Widerspruch, Zivilcourage etc. scheinen mir in diesen doch sehr bewegten Zeiten dringender denn je. Deshalb ist es umso wichtiger, darüber zu diskutieren, wie Widerstandsformen aussehen können, wie weit Widerstand und Protest gehen dürfen und was für eine Art von Widerstand überhaupt legitim und notwendig ist und welcher obsolet. Fragen, die der Film aufwirft und zur Disposition stellt. Fragen, die weit über die persönliche Geschichte von Thomas Walter hinausgehen und sie in den Kontext der Erzählung integrieren.

GEGEN DEN STROM – ABGETAUCHT IN VENEZUELA und seine Protagonisten bieten mit ihren Biographien die seltene Gelegenheit, diesen Diskurs um emanzipatorische Antworten, Visionen und Konzepte sowie Gegenpositionen und Protestformen nicht anhand einer theoretischen akademischen Auseinandersetzung aufzuzeigen, sondern ganz konkret anhand des Lebens und den Erfahrungen der beiden Protagonisten des Films Pablo Charlesmoine (MAL ÉLEVÉ) und Thomas Walter. Auch deshalb ist es mir wichtig, mit diesem Film dem in Deutschland derzeit anhaltenden Diskurs über linke Politik- und Gesellschaftsvorstellungen eine ganz konkrete filmische Erzählung hinzuzufügen.

Durch meine ganz persönliche familiäre Verbindung mit dem Protagonisten Thomas Walter eröffnet der Film darüber hinaus erstmals die Gelegenheit, selten gewonnene Einblicke in das Leben eines vom BKA gesuchten „Links-Terroristen“ zu bekommen, sowie Einsichten in die Welt des Untergrunds, der Illegalität und der Jahrzehnte langen Flucht.

PRESSE
“Er steht auch heute noch auf der Fahndungsliste des BKA, doch das schlechte Steckbriefbild können die Fahnder nun erneuern: Thomas Walter spricht nach 25 Jahren im Untergrund über seine Erfahrung mit dem Gesuchtwerden und der linken Utopie.” Westdeutsche Zeitung

“Filmtipp!
Der Film gewährt Einblicke in das krisengeschüttelte Land und beleuchtet Walters dortiges Leben – vom Berliner Polit-Autonomen zum halbautonomen Kleinbauern.” CHRISMON – Das evangelische Magazin

“Wie funktioniert ein Mensch in einer Ausnahmesituation? Und wie eine ganze Gesellschaft? Diese beiden Fragen stehen zwar nicht im Zentrum von Sobo Swobodniks neuem Dokumentarfilm, doch sie gehören zu seinen spannendsten Aspekten. … Swobodnik hält sich sehr zurück und tritt nur in Erscheinung, wenn ein Erzähler unabdingbar ist. Stattdessen fokussiert er sich auf Walter und dessen Lebenswelt. Während viele Dokus ihren Hauptplot gerne mit schnarchnasigem Filmmaterial aufbauschen, gelingt es Swobodnik durch einen Trick, echte Reflexionsmomente zu schaffen. Immer wieder unterlegt er Zeitlupensequenzen von Walters Alltag mit Politsongs, die Walter und der deutsch-französische Rapper Mal Élevé entwickelt haben… Woran muss man und kann man sich das Individuum orientieren, um nicht handlungsunfähig und verrückt zu werden? Was bedeutete Solidarität und wo finde ich sie? Es ist die alte Debatte und Suche nach dem autonomen Subjekt, das einzig in der Lage ist, eine gute Gesellschaft zu begründen.” Konkret

“Graswurzelrevolution im wahrsten Sinne, eine bewegende, irritierende Zeitreise in eine vergangene Welt, wo Leben und Handeln selbstverständlich politisch waren: Wir schreiben Geschichte, jeder von uns ist ein Teil, wir sind nicht allein.” Süddeutsche Zeitung

“Eine ungewöhnliche Dokumentation bringt Sobo Swobodnik in die Kinos… Anhand der Biografien der zwei Porträtierten zeigt Swobodnik diverse Formen des Widerstands und liefert ein eindrückliches Bild über Geisteshaltungen, die Verfolgung durch den Staat, Justiz und persönliche Ideale.” BIOGRAPH,  Düsseldorf

“Wie gesagt: Dies ist kein kritischer Dokumentarfilm, sondern das Dokument eines Sympathisanten. Der konfrontiert uns mit einem sympathischen und sich als Anarchisten bezeichnenden Mann, der für seine Überzeugung konsequent einen ganz eigenen Weg gegangen ist oder gehen musste. ” Kontext Wochenzeitung

“Was Gegen den Strom – Abgetaucht in Venezuela alles aus der Materie rausholt, ist Porträt eines Mannes, Porträt eines Landes, befasst sich dabei gleichzeitig mit der Kunst als einer Form des Widerstands. Als ein Versuch, den Stimmen der Mächtigen seine eigene entgegenzuschleudern, damit auf Missstände aufmerksam zu machen oder wenigstens zu hinterfragen. Und von denen gibt es heute noch mindestens genauso viele wie vor 25 Jahren.” Filmrezensionen.de

“Seine linken Ideale setzt Thomas Walter in Venezuela in Musik um und der Film nutzt die Musik um den Alltag dieses sterbenden Landes zu zeigen… Und: Politische Songs für den Frieden der Welt… Man schwankt zwischen Bewunderung und Abneigung, und dass über selbstreflektierende Politsongs die Ideale an eine neue Generation weitergegeben werden sollen, ist gut gemeint und sicher richtig.” Artour Magazin, MDR

“Bevor sich der Film in Alltagsbeobachtungen und politischen UnverbindlichkeitEN verläppert, springt dem Filmemacher ein Zufall zur Seite. Schon zu Beginn des Films sind Gitarrensounds zu hören, die entfernt an die Filmmusik von „Improved Sound Limited“ aus „Im Lauf der Zeit“ von Wim Wenders erinnert. Walter macht auch Musik und zwar in der Manier eines politischen Liedermachers. Er schreibt nicht nur deutsche Texte, sondern arbeitet über das Internet auch mit dem Musiker Mal Élevé an einem gemeinsamen Projekt. Der politische Antifa-Aktivist reist schließlich an, um ein paar Tage gemeinsam zu musizieren, zu sprechen und sich auszutauschen.” Filmdienst

“Statt der Rekonstruktion der damaligen Ereignisse steht die Musik im Zentrum, an der Walter gemeinsam mit Pablo Charlemoine werkelt. Die Unverdrossenheit, mit der die beiden dann den regelmäßigen Stromausfällen trotzen, indem sie einen Generator zu einem Aufnahmestudio schleppen und dort Stirnlampen aufsetzen, wirkt sehr sympathisch.” Melodie & Rhythmus – Magazin für Gegenkultur

“Polit-aktivistische Ohrwürmer, die als lange Musikstrecken ausführlich den Soundtrack bespielen.” EPD-Film, Filmmagazin

“Der Filmtipp der Woche!” Freie Radios.net

„Ein Film, der einen raren Blick in eine durch den Verfolgungsdruck der Justiz meist unsichtbare Welt anbietet.“ DOK-Leipzig

„Thomas Walter berichtet fast zärtlich von den Erfahrungen der Solidarität, die er auf der Flucht erfahren hätte. Das wird nie konkret, aber aus seinen Worten und Mimik spricht eine große empfangene Wärme… Der Film hält nicht nur drauf, der Regisseur stellt Nachfragen, was eine gewisse Kontextualisierung ermöglicht. Das wird nicht jeden beruhigen. In die Falle, hier einfach ein unkritisches Podium zu bieten, wie andere in den vergangenen Jahren auf der DOK gezeigten politischen Filme, tappt diese Doku aber nicht. Die gewissen romantisierenden Züge in Walters Worten steht seine konkrete Lebenssituation in aller Brachialität gegenüber: Als Asylsuchender von einem staatlichen System und dessen Entscheidung abhängig zu sein.“  Kreutzer, Stadtzeitung Leipzig

“Man wünscht sich, dass der Film mit dazu beiträgt, daß endlich die Verjährung für den Anschlag, der nie ausgeführt wurde, in Kraft tritt… Der Film ist empfehlenswert, weil er Zeitzeugen zu Wort kommen lässt, die vor einem Vierteljahrhundert Teil einer außerparlamentarischen Linken waren, über deren Theorie und Praxis heute wenig diskutiert wird.”  Freitag – Wochenmagazin

„Zur  Aufklärung der Gemütslagen macht Thomas Walter – auch politaktivistische – Musik. Im Film sogar zusammen mit Mal Élevé (Ex-Irie Révoltés), der ihn in seiner Andenhütte besucht. Man sieht die beiden einen Generator schleppen, in den Bergfluss springen und weiß, dass längst nicht alles verloren ist.“ Junge Welt

„Trotz der Einblicke in das Leben Walters wird der Film vor allem von dem Musiker Mal Élevé und der Musik als Widerstandsform getragen. Der ehemalige Sänger der Band Irie Révoltés besucht Walter in Venezuela für gemeinsame Aufnahmen, und durch seinen Auftritt entwickelt sich der Film zu einer dynamischen Erzählung über politisches Engagement in- und außerhalb der Kunst.“ critic.de Filmmagazin

„Was kann man lernen? Abtauchen und Flucht ins Exil sind eigentlich ganz einfach. Das wichtigste ist, dass die Leute dich und deine Geschichte mögen. Dann wirst du weitergereicht und irgendwie ist alles auch ganz schön cool.“Transit -Debattenmagazin

„Der Film zeigt wie zwei unterschiedliche Musikstile aufeinandertreffen: „Johnny Cash für Arme und Manu Chao für Wehrlose“. Auch der Alltag in Venezuela wird gezeigt, das Arbeiten im Gemüsegarten, die Schwierigkeiten mit den Stromausfällen, das Aufsuchen der Flüchtlings-behörde, ebenso wie Gedanken und Episoden zu Flucht und Exil und den traumatischen Erlebnissen, sich von seinen Liebsten, seinen Freunden, Freundinnen und Familie trennen zu müssen. Die politische Situation Venezuelas wird eher am Rande gestreift, aber es wird deutlich, dass die anfängliche Begeisterung für den Prozess der Bolivarianischen Revolution einer zunehmend kritischeren Einschätzung gewichen ist, wenn Thomas bilanziert: „Wenn, wie im Chavismo zum Beispiel, für die Erreichung dieser egalitären Gesellschaft ein Führer notwendig ist, dann ist es schon von Anfang zum Scheitern verurteilt. Es kann keine bessere Gesellschaft geben, wenn die Leute es nicht für sich wollen. Es muss von unten kommen, von den Subjekten und nicht von irgendjemandem als gütige Handlung ausgegeben werden.“ ila – Das Lateinamerika Magazin

FESTIVALS
Internationales Dokumentarfilmfestival Leipzig
Musikfilmfestival Soundwatch Berlin
9. Punkfilmfestival Berlin
Movie Night Goethe Institut Tansania
CINE LATINO-Filmfestival Darmstadt/ Weiterstadt
Lateinamerikanische Tage Leipzig
Dokumentarfilmfestival Kassel
Filmschau Baden-Württemberg

AWARDS
Preise  nominiert für den Dokumentarfilmpreis des
Goethe-Instituts
nominiert für den VFF Dokumentarfilm-Produktionspreis
nominiert für den  Baden-Württembergischen Filmpreis