Master of Disaster

79 min. / 2020 / Deutsch (UT: Deutsch) / Deutschland, Schweiz

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Tags: Gesellschaft, Hilfsdienste, Hochsicherheitslabor, Infektiologie, Katastrophen, Katastrophenhilfe, Rettungskräfte, Sanitäter, Unfallhilfe, Virologie

Wie geht eigentlich Katastrophenschutz?
Epidemien, Krisen, Anschläge: Nahezu wöchentlich werden in Deutschland kleine wie große Katastrophen durchgespielt. Die Spannweite reicht von der örtlichen Feuerwehrübung bis hin zu großangelegten Szenarien mit hunderten von Teilnehmern. Der Film zeigt Bilder aus einem verborgenen Parallel-Universum.
Master of Disaster. Trainieren für die Katastrophe.

Regie, Buch: Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier
Kamera: Sven O. Hill, Philipp Künzli
Schnitt: Anette Brütsch

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Epidemien, Krisen, Anschläge: Nahezu wöchentlich werden in Deutschland kleine wie große Katastrophen durchgespielt. Die Spannweite reicht von der örtlichen Feuerwehrübung bis hin zu großangelegten Szenari-en mit hunderten von Teilnehmern.

MASTER OF DISASTER betritt ein verborgenes Paralleluniversum unsres Alltags: die Welt der Katastrophen-schützer und –erforscher, die die Gefahren, die unserer komplexen Welt drohen, vorhersehen wollen und den Umgang mit ihnen trainieren.

Der Film zeigt die verschiedenen Protagonisten bei ihren Simulationen und Testläufen und beim Erforschen menschlichen Verhaltens im Katastrophenfall. Sie arbeiten in den gesicherten Labors der Infektionsforschung, in Bundesämtern, auf Übungsplätzen und in den Glaspalästen der Versicherer. Sie malen sich mögliche Katastrophen in jedem noch so kleinen Detail aus in der Hoffnung, auf jeden Kontrollverlust vorbereitet zu sein.

Und er zeigt den Einsatz der Rettungskräfte, auf deren großenteils freiwilliges Engagement sich die gesamte Katastrophen- und Unfallhilfe in Deutschland stützt.

Spannende Einblicke tun sich auf, unerwartete Zusammenhänge werden sichtbar, und so stellt der Film auch die Frage nach der Beherrschbarkeit unserer scheinbar so kontrollierten Welt und ihrer Probleme. Ein Film zwischen Inszenierung und Wirklichkeit.

CREW
Regie, Buch: Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier
Kamera: Sven O. Hill, Philipp Künzli
Schnitt: Anette Brütsch
Musik, Sounddesign: Daniel Almada
Mischung: Dominik Awenvedde
Bildbearbeitung: Jochen Hinrichs-Stöldt
Produktion: Thomas Tielsch
Koproduzent: Vadim Jendreyko
Produktionsleitung: Jan-Peter Heusermann

Verleih: Filmtank Audience
Presse: Thomas Tielsch
Filmwebseite: www.masterofdisaster-film.de

Gefördert von Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein, Filmstiftung NRW, BKM

Jürgen Brügger studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Geschichte und Soziologie an der Uni Köln und anschließend postgraduiert an der Kunsthochschule für Medien Köln. Jörg Haaßengier absolvierte das Studium der Philosophie und Neueren Deutschen Literatur in Hannover und Berlin, sowie ebenfalls ein Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien Köln. Seit ihrem gemeinsamen Diplom mit Kopfende Haßloch 2005 arbeiten die beiden zusammen. Neben ihrer Filmarbeit entwickeln sie neue dokumentarischen Erzählformen fürs Netz.

In allen ihren Kinofilmen bewegen sich die beiden Filmemacher in jenen Sphären des Alltagslebens, die gemeinhin übersehen werden, obwohl sie uns ganz nah sind; unscheinbare Szenerien, oft bevölkert von umso ungewöhnlicheren Protagonisten. Der Film Ausfahrt Eden findet komplexe Milieus und Lebenszusammenhänge in den scheinbar unbewohnten Niemandsländern zwischen Bahntrassen, Baggerseen und Autobahnen am Rande von Köln. Vom Ordnen der Dinge berichtet von Menschen, die beruflich oder privat mit abgefeimten Ordnungssystemen versuchen, dem Chaos der Welt die Stirn zu bieten. Mit Master of Disaster ziehen die Filmemacher nun den Vorhang zwischen uns und dem Paralleluniversum derer zur Seite, die wissen, wie prekär die Netze sind, die unseren Alltag zusammenhalten, und die Tag für Tag mit deren Zerreißen rechnen.
 
Filmografie (Auswahl)
2019
Master of Disaster (Filmtank + Mira Film in Koproduktion mit ZDF/3sat und SRF, Verleih: Filmtank Audience)
Duisburg Ruhrort: Mit 16 ohne Chance? Dokumentarfilm, 30 min (WDR)
Stadt aus Schrott, von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier und Gerhard Schick, VR-Doku (in Vorbereitung) Wim-Wenders-Stipendium

2018
Kriegskinder, WDR AR 1933-1945, von Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier und Gerhard Schick, Augmented Reality (WDR), re:publica 2018, Nominierung CIVIS Medienpreis 2019
Berlin Terror – Die ersten Helfer vom Breitscheidplatz, von Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier und Astrid Schult, Virtual Documentary (WDR), re:publica 2018, Sheffield Int. Documentary Film Festival, Nominierung Webvideopreis 2018; Best VR Documentary Los Angeles Fine Arts Festival

2017
Inside Auschwitz, von Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier und Gerhard Schick, Virtual Documentary (WDR), re:publica 2017, Webvideopreis 2017, Nominierung Grimme Online Award 2017

2016
#nordstadtkinder, von Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier und Rainer Nigrelli, Webdoku (WDR), Deutscher Sozialpreis 2017
Nordstadtkinder: Lutwi, von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier, Dokumentarfilm, 30 min (WDR), Grimme Preis 2017

2015
#wowillstduhin, von Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier und Rainer Nigrelli, Webdoku (WDR)

2014
Angstwald, von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier, Dokumentarfilm, 30 min (WDR), nominiert für den Grimme Preis 2015, nominiert für den Kindernothilfe-Medienpreis 2015
Vom Ordnen der Dinge, von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier, Kino-Dokumentarfilm, 80 min (ZDF/arte, Verleih: movienet), Gerd-Ruge-Stipendium, Grimme Preis 2016

2010
Ausfahrt Eden, von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier, Dokumentarfilm, 80 min (ZDF/Das kleine Fernseh-spiel, Verleih: Real Fiction), nominiert für den Filmpreis für Tongestaltung 2011

2006
Kopfende Haßloch, von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier, Dokumentarfilm, 37 min (KHM), Deutscher Kamerapreis 2006

In Zeiten, in denen eine Katastrophenmeldung die andere jagt, sich die Menschen vor neuartigen Epidemien fürchten, die um unsere globalisierte Welt reisen, in denen Orkane und Überschwemmungen unsere fragile Infrastruktur herausfordern, kommt ein Katastrophenfilm besonderer Art ins Kino: Der Dokumentarfilm Master of Disaster von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier erzählt von der Arbeit jener Menschen und Institutionen, die uns helfen sollen, wenn diese Katastrophen tatsächlich eintreten. Spezialisten entwickeln lebensechte Szenarien, und Feuerwehren, Notärzte und Sanitäter, Räumtrupps, aber auch Krisenmanager, Polizei und Bundeswehr trainieren in großangelegten Stabsübungen den Notfall. Ein spannender Blick hinter die Kulissen unseres funktionierenden Alltags.

Nach diesem Film nimmt man seine Umgebung mit anderen Augen wahr und fragt sich: Soll ich wirklich Lebensmittel bunkern und Wasservorräte anlegen? Kann mir, wenn alles stillsteht, die Freiwillige Feuerwehr tatsächlich helfen? Wird schon alles gut gehen?

Thematischer Hintergrund
Die modernen Gesellschaften und ihre Infrastrukturen sind bis hinein in die Privatsphäre der Menschen in bis dahin ungeahntem Ausmaß vernetzt und damit nicht nur leichtes Ziel feindseliger Angriffe. Sie sind auch selbst höchst anfällig für eine Dynamik, in der aus einfachen Störungen unversehens katastrophische Notlagen entstehen können, die einen ganzen Kontinent herausfordern. Gleichzeitig wächst in der globalisierten, mobilen Welt das Risiko von Pandemien teils völlig unerforschter Erreger, die mit Reisenden aus abgelegenen Erdwinkeln in die Ballungsräume wandern. Und nicht zuletzt wirft die kommende Klimakatastrophe ihre Schatten in Form von Unwettern, Überschwemmungen, Dürren bereits voraus.

Nahezu wöchentlich werden in Deutschland solche Katastrophen, kleine wie große, durchgespielt. Die Spannweite reicht von der Feuerwehrübung bis hin zu länderübergreifenden Großübungen mit mehreren tausend Teilnehmern und tausendseitigen Szenarien. Gigantische Computersimulationen errechnen Störfallwahrscheinlichkeiten, aber auch das Verhalten von Menschenmassen in Panik. Riesige Datenbanken speichern die Parameter aller Katastrophen der letzten Jahrzehnte weltweit, um die Risiken der Versicherungen zu minimieren.

Master of Disaster bewegt sich thematisch zwischen der konkreten Arbeit der Katastrophenschützer, einem Gebiet, das uns alle betrifft, das aber kaum sichtbar oder im Alltag präsent ist, und den gesellschaftlichen Fragen, die sich dabei auftun: können wir unsere extrem vernetzten Strukturen noch beherrschen? Führen die gigantischen Kontrollmechanismen in den Maschinenräumen unsres Alltags nicht erst recht zur Unkontrollierbarkeit des Systems?

Die Katastrophenforscher sind sich einig, dass unsere Existenz nur in extremen Ausnahmefällen von einem singulären Ereignis bedroht wird (z.B. ein Kometeneinschlag oder ein Erdbeben). Vielmehr wächst die Verwundbarkeit gerade durch weniger offensichtliche, schleichende Risiken und die Verkettung krisenhafter Ereignisse. Dazu gehören die zunehmende und umfassende Abhängigkeit von großdimensionierten Infrastrukturen wie der Stromversorgung und auch die Ausbreitung von Pandemien, die durch den Klimawandel und die hohe Mobilität von Menschen und Gütern begünstigt werden. Durch Dominoeffekte werden natürliche, technische, soziale und ökonomische Faktoren miteinander interagieren und zu sehr unterschiedlichen und kaum absehbaren Katastrophen führen. Das ist Konsens unter den Sicherheitsexperten.

Indem wir also unsere Infrastrukturen und Produktionsweisen in früher ungeahntem Ausmaß vernetzen, globalisieren, mit künstlichen Intelligenzen versehen, laufen wir Gefahr, dass schon eine kleine Störung ei-nes solchen Gebildes katastrophisch wird. Die Katastrophenschützer sprechen dann von Kaskaden. Wir sind also heute mit menschengemachten Naturkatastrophen konfrontiert, und auch die „echte Natur“, die sich in Klimakatastrophen aufbäumt, kann die Wende zu einer solchen übergreifenden Katastrophe bringen, wie man am Beispiel des Tsunami in Fukushima sieht.

Und es ist beispielsweise nicht unwahrscheinlich, dass es während einer Influenza-Pandemie auch zu einem sehr schweren Wintersturm kommen kann. (Denn beide treten häufig in der zweiten Winterhälfte auf.) Und was passiert, wenn ein paar hochspezialisierte Angestellte eines modernen Kraftwerks sich denselben Virus einfangen? Dann könnte es je nach Betroffenheit des Übertragungsnetzes zur Abschaltung zahlreicher Großkraftwerke kommen. Die Folge davon wären Stromausfälle im gesamten europäischen Netz oder schlimmstenfalls ein europaweiter Blackout. Dementsprechend hat beispielsweise die Schweiz im November 2014 in einer der größten Übungen der letzten Jahrzehnte eine vom europäischen Stromnetz verursachte „Strommangel-Lage“ geprobt, die durch eine Pandemie überlagert wurde.

Das Kommen eines landesweiten Stromausfalls gilt nach Einschätzung der Experten als so gut wie sicher.
Der Schweizer Risikobericht 2012 rechnet mit einem Totalblackout alle 50 Jahre.

Das größte Risiko für Menschen, Umwelt und Gesellschaft geht jedoch von Pandemien aus, so die Katastrophenforscher.

Die Grippewelle von 1918 kostete rund 50 Millionen Menschen das Leben. Eine neue Art der Grippe, ob sie nun von einer Wildente in Guangdong oder einem Seevogel aus Queensland stammt, könnte erneut Millionen von Menschen gefährden. Denn in unserer globalisierten Welt reisen neue Infektionen schneller und weiter als je zuvor.

Die aktuelle Situation im Bezug auf den Corona-Virus, die das Potential zur Pandemie in sich trägt, ist aus diesen Gründen schon jetzt dramatischer als die SARS-Epidemie von 2002/2003.

Der SARS-Erreger kam im Körper eines kranken, hustenden Mannes aus Südchina per Bus nach Hongkong. Er hing in der Luft des Hotelflurs und gelangte von dort in die Körper neuer Opfer. Mit diesen reiste er innerhalb weniger Stunden nach Peking, Singapur, Hanoi und Toronto. Allein in Kanada wurde der wirtschaftliche Schaden, der durch SARS entstanden ist, auf knapp 1 Milliarde US-Dollar berechnet, wobei es insgesamt nur 251 Patienten gab, von denen 42 starben. Rechnet man diese Zahl auf eine Pandemie mit mehreren Millionen Menschen hoch, wie sie bei einer Mutation des SARS-Virus wahrscheinlich gewesen wäre, ergeben sich Größenordnungen an ökonomischen Schäden, die jede Volkswirtschaft in die Knie zwingen.

PRESSE
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PROTAGONISTEN UND SCHAUPLÄTZE DES FILMS

Prof. Volker Schmidtchen und Dr. Hans-Walter Borries
Dr. Borries ist Geschäftsführer eines im Jahr 2002 gegründeten, unabhängigen und privaten Instituts für Wirtschafts- und Sicherheitsstudien in Witten, Nordrhein-Westfalen. Prof. Schmidtchen war früher mit Dr. Borries zusammen Institutsleiter, heute ist er dort einer der Dozenten. Beide sind Oberst der Reserve. Im Bereich Sicherheit geht es um den Bevölkerungsschutz und die Katastrophenhilfe sowie entsprechendes Krisenmanagement. Hier erstellt das Institut Studien und Gutachten zu relevanten Sicherheitsthemen, führt Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen durch, veranstaltet Fachtagungen und beteiligt sich an Forschungsprojekten. Auch Szenarien für Katastrophenübungen werden entwickelt.
Das Institut berät und schult Behörden, Kommunen, Organisationen mit Sicherheitsaufgaben und Unternehmen.

Beda Sartory
Beda Sartory ist Geschäftsführer eines unabhängigen und neutralen Schweizer Beratungsunternehmens im Bereich Krisenmanagement, Krisenkommunikation, Risikomanagement, Bedrohungsmanagement und in der Erarbeitung von Sicherheitskonzepten aller Art. Die Berater unterstützten Unternehmen, Entscheider und Führungskräfte im Krisenfall. Sie suchen vor Ort konkrete Lösungen und nachhaltige Strategien und helfen dabei, Schäden einzudämmen oder zu vermeiden. Im Zuge der Prävention bauen sie die jeweils firmeninterne Krisenorganisation auf, trainieren Krisenstäbe und überprüfen mit einer auf das Unternehmen maßgeschneiderten Krisenstabsübung und reellen Krisenszenarien den Ausbildungsstand. Der Film zeigt eine große Krisenstabsübung der Schweizer Bundesbahn, deren Szenario von Sartorys Unternehmen entwickelt und durchgeführt wurde. Daniel Schlup ist Leiter der Abteilung Notfall-und Krisenmanagemnt der SBB, seine Abteilung wird in dieser Übung trainiert.

Prof. Dirk Helbing
Dirk Helbing ist ein deutscher Physiker und Soziologe, seit 2007 Professor für Computational Social Science an der ETH Zürich. Als Wissenschaftler an der Universität Tel Aviv und dem Weizmann-Institut in Israel, der Eötvös-Universität in Budapest und Xerox PARC in Kalifornien arbeitete er mit verschiedenen komplexen Systemen – von der Selbstorganisation von Fußgängern über Massenpaniken und Verkehrsstaus und Bakterienmustern bis hin zu La-Ola-Wellen. Er arbeitete an Möglichkeiten, Ursachen und Folgen von Massenpaniken zu reduzieren und damit Katastrophen wirksamer einzudämmen.

Prof. Dr. Martin Voss
Voss arbeitet als Leiter der Katastrophenforschungsstelle KFS im Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der FU Berlin. Der Schwerpunkt der Katastrophenforschungsstelle liegt auf kulturellen und sozialen Aspekten: Katastrophen müssen nach dem Selbstverständnis der KFS in ihren kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen verstanden werden. Extremwetterlagen beispielsweise werden erst im Zusammentreffen mit gesellschaftlichen und kulturellen Einrichtungen und Verhaltensweisen zu Risiken. Ziel ist es, mit Hilfe der Forschungsergebnisse Evakuierungsassistenten zu entwickeln, um große Fluchtbewegungen gegebenenfalls
steuern zu können. „Crowd Management“ heißt das Verfahren. Martin Voss: „Wir wollen innerhalb von einer Minute berechnen können, was innerhalb der nächsten Viertelstunde passiert. „Denn wenn eine Flucht oder eine Evakuierung schief geht, ist das oft keine Folge von Rücksichtslosigkeit, sondern schlicht physikalisch zwangsläufig.“ Die Katastrophenforschungsstelle arbeitet auch an einer App, mit der befähigte Laien (z.B. Hausmeister) aus der Bevölkerung bei Katastrophenlagen hinzugerufen werden, um schnell helfen zu können. Bei der im Film gezeigten Übung wurde das Verhalten von Menschen aus verschiedenen Milieus im Katastrophenfall getestet. Schauplatz der Übung war Fighting City in Berlin, ein von den Briten erbautes Übungsgelände für den Häuserkampf. Zur Anlage zählen zahlreiche Wohnhäuser mit bis zu fünf Etagen, eine Tankstelle, ein Supermarkt, eine Tiefgarage, eine Kanalisation, mehrere Wälle und Gräben, zwei Brücken und ein Straßennetz. Nach dem Abzug der Alliierten wurde die Fighting City im Jahr 1994 an die Berliner Polizei übergeben.

Dr. Leon Hempel
Dr. Leon Hempel studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Politikwissenschaft an der Technischen Universität Berlin und ist seit 1999 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum Technik und Gesellschaft tätig. In den letzten zehn Jahren hat er die sozialwissenschaftliche Sicherheitsforschung dort kontinuierlich aufgebaut und als eigenständigen Bereich etabliert. Hempel koordiniert und leitet seit 2000 nationale, europäische und internationale Projekte im Themenfeld Sicherheit.
Der Film zeigt die Verhaltensbeobachtung in Leitzentralen, die im Rahmen des Forschungs-Projektes AlphaKomm durchgeführt wurde. Dieses Projekt beschäftigt sich mit den Problemen der Kommunikation im Krisenfall. Da in den stark vernetzten Infrastrukturen kleine Probleme große Wirkung auf andere haben, die eigentlich gar nicht betroffen sind, kommt der Qualität der Kommunikation zwischen den Behörden, Organisationen und Betrieben eine zentrale Bedeutung zu. AlphaKomm wurde in Zusammenarbeit mit der Berliner Feuerwehr durchgeführt.

Prof. Dr. Lars Schaade
Abteilungsleiter im „Zentrum für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene (ZBS)“ am Robert Koch-
Institut, Berlin. Das Robert Koch Institut ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention und damit auch die zentrale Einrichtung des Bundes auf dem Gebiet der biomedizinischen Forschung. Die Kernaufgaben des Instituts sind die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten, insbesondere der Infektionskrankheiten. Es soll hochansteckende Erreger bei Krankheitsausbrüchen oder terroristischen Angriffen analysieren und Konzepte zur Verhütung oder Bekämpfung von Infektionen oder Vergiftungen zu entwickeln.
In den Hochsicherheitslabors werden Viren und Bakterien, zum Beispiel Anthrax, Pest, Cholera untersucht, das Krisenmanagement der Gesundheitsbehörden wird, wie auch im aktuellen Fall des Corona-Virus, unterstützt und beraten und Frühwarnsysteme werden entwickelt. Im Hinblick auf das Erkennen gesundheitlicher Gefährdungen und Risiken nimmt das RKI damit eine zentrale
„Antennenfunktion“ im Sinne eines Frühwarnsystems wahr.
Prof. Dr. Schaade führt im Film durch das Zentrum für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene. Außerdem sieht man Szenen aus einer Interpol-Übung in Berlin: Teams aus ganz Europa üben im Rahmen eines Workshops die Spurensicherung im Falle eines Angriffs mit biologischen Waffen.

Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) im Bundesamt für Bevölkerungsschutz, Bad Neuenahr-Ahrweiler
Die Akademie ist die zentrale Aus- und Weiterbildungsstätte des Bunds für alle Bereiche des Katastrophenschutz und der Sicherheitsvorsorge. In großen Stabsübungen werden hier die beteiligten Institutionen und Behörden wie Polizei, Bundeswehr, Nachrichtendienste zusammen mit den Sicherheitsbeauftragten bei den Stromversorgern etc. geschult. Alle zwei Jahre findet die zweitägige nationale Katastrophenübung LÜKEX statt, immer mit einem anderen Szenario und an einem anderen Ort. die von Ahrweiler aus gesteuert wird. Hier finden auch ressortübergreifende Seminare statt, die die unterschiedlichen Krisenmanager auf alle möglichen Bedrohungsszenarien vorbereiten. Im Film ist die Entwicklung eines Szenarios mit einem terroristischen Anschlag auf einen Bahnhof zu sehen.

Simulatorzentrum Essen
Das Simulatorzentrum in Essen führt Trainings für das Personal aller deutschen und eines holländisches
Kernkraftwerkes durch. Hier sind Leitwarten deutscher Atomkraftwerke mit allen Details nachgebaut.
Die Ausbildung unter technischen Aspekten wird ergänzt durch umfangreiche Verhaltenstrainings.

Trainingsgelände Weeze
Das Gelände wird von einem privaten Betreiber für Übungen von Polizei, Feuerwehr, Militär und ähnlichem bereitgestellt. Es gibt dort über 100 einsatzrealistische Trainingsobjekte auf über 50 ha Fläche. Rettungsdienste und Katastrophenschützer finden hier Trainings- und Übungsbedingungen in eingestürzten Gebäuden und Schadensszenarien.  Im Film: ein Großübungstag der Feuerwehr Duisburg.

Swiss Fort Knox
Das Swiss Fort Knox ist ein unterirdisches, hochsicheres Rechenzentrum in den Schweizer Alpen, eine umgenutzte Militäranlage mit eigenem Flugplatz. Alle Anlagen verfügen über autarke Versorgungen in allen Bereichen sowie ein von der Außenwelt unabhängiges Klima. Die Baukonstruktion ist resistent gegen jede militärische oder zivile Bedrohung. Vandalismus, Elementar- & Umweltschäden, IT-Zugangsprobleme (Quarantäne), Terror / Sabotage. Im Film führt Christoph Oschwald durch die Anlage.

Swiss RE
Die Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft (kurz Schweizer Rück) mit Hauptsitz in Zürich ist nach der Munich RE das weltweit zweitgrößte Rückversicherungsunternehmen. Rück- / Versicherer bewegen sich in einer sich schnell verändernden und immer komplexer werdenden Risikolandschaft. Daraus ergeben sich „Emerging Risks“ – neu auftretende oder sich ändernde Risiken, die schwer zu quantifizieren sind. Risikospezialisten sammeln und bewerten diese Risikobegriffe regelmäßig auf ihre möglichen Auswirkungen auf das Geschäft.