Power to the Children

87 min. / 2017 / Tamil (UT: Englisch, Deutsch) / Deutschland

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Tags: Alkoholismus, Civil Society, Gesellschaft, Gewalt, Indien, Jugend, Kinder, Kinderarbeit, Kinderheirat, Parlament, Patriarchat, Politik, Teenagers, Zivilgesellschaft

Der Film erzählt aus der Perspektive der Kinder über ihre Herausforderungen und Aktionen in einer Gesellschaft, in der von Kindern erwartet wird, dass sie dem Beispiel der Erwachsenen folgen.
Doch diese Kinder gehen einen neuen Weg – mit Entschlossenheit, Mut und Kreativität.

Regie, Buch & Produktion: Anna Kersting
Kamera: Ratheesh Ravindran
Schnitt: Katharina Fiedler

Kinder in Indien nehmen ihr Leben in die eigenen Hände. Sie sind nicht länger bereit, soziale Missstände und Umweltverschmutzung zu ertragen.
Sie gründen Kinderparlamente, wählen ihre eigenen Minister und kämpfen dafür, dass ihre Rechte respektiert werden. Sie ändern nicht nur ihr eigenes Leben zum Besseren, sondern auch das der ganzen Dorfgemeinschaft.

Der Film erzählt aus der Perspektive der Kinder über ihre Herausforderungen und Aktionen in einer Gesellschaft, in der von Kindern erwartet wird, dass sie dem Beispiel der Erwachsenen folgen.
Doch diese Kinder gehen einen neuen Weg – mit Entschlossenheit, Mut und Kreativität.

CAST
SHAKTIVEL (15) – Kulturminister
SRI PRIYA (14) – Innenministerin
SWARNA LAKSHMI (15) – Premierministerin

CREW
Regie: Anna Kersting
Buch: Anna Kersting
Kamera: Ratheesh Ravindran
Schnitt: Katharina Fiedler
Ton: Amrith Shankar
Mischung: Johannes Kunz
Sounddesign: Johannes Kunz, Denis Elmaci
Musik: Manickam Yogeswaran
Produktion: Anna Kersting
Grading: Felix Trolldenier
Aufnahmeleitung & Übersetzung: Arthi Vendan
Herstellungsleitung: Jörg Langer

Gefördert durch:
BKM
Kuratorium junger deutscher Film
sowie mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes.

Mehr info: https://www.powertothechildren-film.com/

Anna Kersting ist Autorin, Regisseurin und Produzentin und lebt in Berlin.

Link zu docfilm42-Interview von Anli Serfontein mit Anna Kersting auf Medium.

Wie entstand dieses Filmprojekt?
Als ich 2011 in Indien über Kinderarbeit recherchierte, hörte ich zum ersten Mal über Kinderparlamente und besuchte kurz darauf einen Kinderparlamente-Kongress in Südindien.
Auf einem Schulcampus hatten sich über zweihundertfünfzig Kinder aus verschiedenen Regionen Südindiens versammelt. Es waren Delegierte von Dorfparlamenten aus verschiedenen Regionen Indiens – 12 bis 17 Jahre.
Im Schatten großer Bäume diskutierten sie drei Tage lang über Kinderarbeit, Bildung, Kinderheirat, häusliche Gewalt, Umweltthemen und suchten nach Lösungen bis spät in die Nacht hinein.
Die Power und Leidenschaft dieser Kinder hat mich so berührt, dass ich beschloss, einen Film über sie zu drehen. Ich sah die Chance, dass Kinderarbeit und Kinderheirat in Indien sehr bald beendet werden können, wenn die Kinder sich selbst für ihre Rechte einsetzen.

Link zu docfilm42-Interview von Anli Serfontein mit Anna Kersting auf Medium.

KINDERPARLAMENTE
Wie entstehen Kinderparlamente in Indien?

Es gibt zwei Arten von Kinderparlamenten in Indien. Entweder die Kinder gründen sie selbst, oder sie werden von Schulen gegründet. In Deutschland werden die meisten Kinderparlamente von Schulen initiiert.
Im Film geht es um Kinderparlamente, die von Kindern gegründet wurden. In Indien werden sie Neighbourhood Parliaments – Nachbarschaftsparlamente genannt.
Die Idee geht auf den NCN (Neighbourhood Community Network) zurück, eine Hilfsorganisation in Südindien, die das Konzept unabhängiger Kinderparlamente vor etwa 10 Jahren entwickelt hat. Das Konzept wird von unzähligen indischen Menschenrechts- und Umweltorganisationen übernommen. Im Laufe der letzten Jahre entstanden so über 50.000 Kinderparlamente in Indien. Mittlerweile könnten es erheblich mehr sein. Delegationen aus afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern kommen nach Indien, um sich beraten zu lassen, da sie in ihren Ländern auch Kinderparlamente organisieren wollen.

Die lokalen Menschenrechts – und Umweltorganisationen gehen in die Dörfer, um die Kinder zunächst über ihre Rechte aufzuklären. In Indien wissen die meisten Kinder nicht, dass es Kinderrechte gibt, wie z.B. das Recht auf Schulbildung.
Meist sind es Sozialarbeiter*innen. Manchmal wird auch jemand aus dem Dorf ausgewählt, der bereit ist, sich für Kinderrechte zu engagieren. Nicht jeder Erwachsene ist damit einverstanden, dass Kinder eigene Rechte haben. Wichtig ist, dass die Kinder dieser Person vertrauen.

Was können Kinderparlamente bewirken?

Kinderheirat
In den ländlichen Gebieten Indiens wird noch immer ein Großteil minderjähriger Mädchen verheiratet. Auch in den Dörfern, die wir im Film sehen, wurden jedes Jahr Mädchen verheiratet, oftmals erst 12 Jahre alt. Die Kinder aus beiden Kinderparlamenten sind sehr stolz, dass sie es geschafft haben, Kinderheirat in ihren Dörfern vollständig zu stoppen.
Wenn sie erfahren, dass ein Mädchen verheiratet werden soll, gehen sie zu den Eltern des Mädchens. Sie versuchen, ihnen klar zu machen, dass Kinderheirat gesetzlich verboten ist und Mädchen ein Recht auf Schulbildung haben. Wenn die Eltern nicht einsichtig sind, übergeben sie den Fall der CHILD LINE, eine staatliche Organisation, die sich für die Einhaltung der Kinderrechte einsetzt.

Kinderarbeit
Die Kinder aus den beiden Dörfern im Film haben auch die Kinderarbeit weitgehend abgeschafft. Sie sorgen dafür, dass alle Kinder zu Schule gehen. Wenn ein Kind in der Schule fehlt, erkundigen sie sich bei den Eltern nach dem Grund. Wird ein Kind von den Eltern zur Kinderarbeit gezwungen, klären die Kinder aus dem Parlament sie über die Kinderrechte auf. Wenn Eltern darauf bestehen, dass die Kinder arbeiten, schaltet das Kinderparlament die CHILD LINE ein.

Häusliche Gewalt und Alkoholismus
In Indien steht Gehorsam gegenüber den Eltern an erster Stelle. Wenn nun ein Elternteil gewalttätig ist, oder alkoholabhängig, geraten die Kinder in Konflikt.
Sie wissen, dass sie gehorchen müssen, doch wenn der Vater aufgrund seiner Alkoholabhängigkeit die Kinder und die Mutter schlägt, gibt es keinen Schutz für sie. Sie kennen ihre Rechte, aber es gibt niemand, der sie schützen könnte.
So versuchen sie sich selbst zu helfen, indem sie Kampagnen gegen Alkoholismus und häusliche Gewalt machen.

Umweltprobleme
In den ländlichen Gebieten Indiens gibt es meist keine zentrale Müllbeseitigung. Ganze Dörfer und Landstriche sind mit Plastikmüll verdreckt. Hinzu kommt, dass die Leute in den Dörfern ihren Plastikmüll verbrennen. Die Kinder aus den Kinderparlamenten verstehen die Zusammenhänge zwischen dem Verbrennen von Müll und Klimawandel. Sie machen in ihren Dörfern Kampagnen, um die Erwachsenen aufzuklären, die oftmals Analphabeten sind.

Wasser – und Elektrizitätsversorgung
Die Kinder aus den Kinderparlamenten haben von den lokalen Hilfsorganisationen gelernt, wie Demokratie funktioniert. Sie wissen, dass es die Pflicht des Bürgermeisters ist, für genügend Trinkwasser zu sorgen und die Abwasserprobleme zu beseitigen. Wenn es hier zu Problemen kommt, fordern sie Lösungen.
Im ländlichen Raum Südindiens gibt es meist nur einzelne Wasserzapfstellen für das gesamte Dorf. Nur wenige haben fließendes Wasser im Haus. Es gibt auch nur selten eine funktionierende Abwasserbeseitigung. Die meisten Bewohner kippen ihr Schmutzwasser auf die Strasse oder in kleine Gräben. Die Pfützen bilden eine ideale Brutbedingung für Mücken, die Malaria übertragen. Die Kinder der Kinderparlamente machen immer wieder Aktionen, in denen sie die Erwachsenen aufklären, das Schmutzwasser nicht auf die Strasse zu kippen.
In manchen Dörfern verlangen sie sogar eine Rupie Strafe, wenn sie die Erwachsenen wiederholt erwischen.

Viele Dörfer haben nur unzureichende oder defekte Straßenbeleuchtung.
Manchmal dauert es Jahre, ehe der Bürgermeister sich kümmert.
In Dörfern mit Kinderparlamenten, schicken die Kinder dem Bürgermeister eine Petition und drohen ihm, sich an eine höhere Instanz zu wenden, wenn er nicht aktiv wird. Unzählige Kinderparlamente haben auf dieses Weise die Wasser- und Elektrizitätsprobleme in den Dörfern gelöst.