Tiefenschärfe. Regie: Mareike Bernien, Alex Gerbaulet

Tiefenschärfe

14:30 min. / 2017 / Deutsch (UT: Englisch) / Deutschland

Playlists:

Tags: Antisemitismus, Faschismus, Flüchtlinge, Fremdenfeindlichkeit, Geschichte, Gewalt, Justiz, Konflikte, Mord, Nationalsozialismus, NSU, Politik, Rassismus, Terror

TIEFENSCHÄRFE liest in den Markierungen der Orte in Nürnberg, an denen der sogenannte NSU zwischen 2000 und 2005 drei Morde verübt hat. Das Bodenlose der Taten lässt als formales Element die horizontale Bildachse immer wieder aus dem Lot geraten.

Buch / Regie / Ton / Schnitt / Produktion: Mareike Bernien & Alex Gerbaulet
Kamera: Jenny Lou Ziegel

TIEFENSCHÄRFE untersucht Orte in Nürnberg, an denen der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund (NSU) zwischen 2000 und 2005 drei Morde verübt hat. Es ist eine beobachtende Umkreisung, welche die Tatorte über ihre Umgebung kontextualisiert, in ihren Markierungen liest und ihre heutige Be- und Umnutzung zeigt. Das Bodenlose der Taten taucht als formales Element in der Bildsprache auf, indem die horizontale Bildachse immer wieder aus dem Lot gerät.

Im Off-Kommentar werden auf unterschiedlichen Zeitebenen alltägliche Szenen und Begegnungen an den Tatorten beschrieben und mit verdichteten Wissensfragmenten über die Taten des NSU sowie über die Parallelwelt der Mordermittlungen verschränkt, welche sich bis zur Selbstenttarnung des NSU 2011 ausschließlich gegen die Mordopfer und deren Familien gerichtet hat.

Der Stift wird zur Kamera, die Kamera zum Akteur und gleichzeitig zur Zeitzeugin. Die gefilmten Tatorte werden zu Blickpunkten auf eine Stadt, deren Achse immer wieder aus dem Bildrahmen kippt. So findet ein Ausloten, Irritieren und Verschieben von Realitätsebenen statt, das den Erschütterungen dieser scheinbar unskandalisierbaren Angriffe des NSU auf die Wirklichkeit der (post-)migrantischen Gesellschaft nachspürt.

Buch / Regie / Ton / Schnitt: Mareike Bernien & Alex Gerbaulet
Kamera: Jenny Lou Ziegel
Sprecherin: Göksen Güntel
Farbkorrektur / Mastering: Sebastian Bodirsky
Sprachaufnahme / Tonmischung: wave-line Berlin
Übersetzung: Melanie Brazzell
Produzentinnen: Mareike Bernien & Alex Gerbaulet
Eine Auftragsarbeit des HAU Hebbel am Ufer, Berlin

Länge 14:30 Min.
Format DCP und ProRes file (deutsch/türkisch mit englischen UT), 16:9, Farbe, Stereo

Kontakt
Alex Gerbaulet / gerbaulet(at)pong-berlin.de
Mareike Bernien / mareikebernien(at)hotmail.com

Mareike Bernien lebt in Berlin und arbeitet als Künstlerin zwischen performativem Film, Sound und Text. Mit einem medienarchäologischen Ansatz hinterfragen ihre Arbeiten ideologische Gewissheiten von Repräsentation, ihre materiell-technologischen Voraussetzungen und historischen Kontinuitäten. Zu ihren letzten Filmen gehören: TIEFENSCHÄRFE (2016/17) gemeinsam mit Alex Gerbaulet; RAINBOW`S GRAVITY (2014), RED SHE SAID (2011) beide gemeinsam mit Kerstin Schroedinger. Zur Zeit lehrt sie im Bereich Theorie und Praxis der visuellen Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel.

Alex Gerbaulet, *1977, lebt und arbeitet als Künstlerin, Filmemacherin und Kuratorin in Berlin.

Zwischen 2000 und 2007 hat Alex Gerbaulet Philosophie, Medienwissenschaften und Freien Kunst (bei Birgit Hein) in Braunschweig und Wien studiert. 2008 erhielt sie ein Arbeitsstipendium der Hans-Böckler-Stiftung, 2011 war sie eingeladen zum Berlinale Talent Campus (DOC Station), 2012 wurde sie mit einem Stipendium des Berliner Senats ausgezeichnet, 2014 mit einem Stipendium der Kunst- und Kulturstiftung Stade.

Daneben Lehraufträge, sowie Tätigkeit als selbstständige Kuratorin für Kunstinstitutionen und Festivals. Zwischen 2006 und 2011 war sie in der Auswahljury für das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest tätig, 2012 und 2013 hat sie für das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück programmiert.

2007-2011 war sie künstlerische Mitarbeiterin an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, 2012-2014 künstlerische Mitarbeiterin von Bjørn Melhus an der Kunsthochschule Kassel. 2017 war sie Mentorin der Short Film Station der Berlinale Talents. Seit 2014 arbeitet sie als Produzentin bei pong film GmbH Berlin.

In ihrer künstlerischen Arbeit lotet sie die Abbildbarkeit von Wirklichkeit und Erinnerung aus und benutzt dabei sowohl dokumentarische als auch fiktionalisierende Verfahrensweisen. Sie hat zahlreiche Video-Kunst Projekte realisiert, darunter u.a. ÜBER LAND (2002), DATTERODE (2006),GEFANGENENBILDER (2007) und SCHON NACHMITTAG (2009). Ihr letzter Film SCHICHT (2015) war ihr erster Kurzdokumentarfilm speziell fürs Kino. Er lief weltweit auf zahlreichen Festivals und wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Hauptpreis des Deutschen Wettbewerbs der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (2015), dem Prix Premiere des FID Marseille (2015), dem Preis der Deutschen Filmkritik (2015) und dem Best Female Director Award des Vienna Independent Shorts Festivals (2016).

Der Kurzfilm “Tiefenschärfe” ist ihre erste Kollaboration mit der Künstlerin und Filmemacherin Mareike Bernien. Er hatte im Herbst 2016 als Installation Premiere während des Festivals “Die Ästhetik des Widerstand – Peter Weiss 100” im HAU Hebbel am Ufer in Berlin.

AWARDS
– 2. Filmpreis des Münzenberg Forum Berlin
– nominiert für den ‚Goldenen Schlüssel‘ / Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest – Max-Bresele-Gedächtnis-Preis der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg
– ‚Action Gender‘ Preis des blicke Filmfest Bochum

FESTIVALS (Auswahl)
– Internationale Kurzfilmtage Oberhausen
– Internationales Kurz Film Festival Hamburg
– Moscow International Experimental Film Festivals / Russland
– Filmfest Weiterstadt
– ARKIPEL Jakarta International Documentary and Experimental Film Festival / Indonesien – Belo Horizonte International Short Film Festival / Brasilien
– interfilm Festival Berlin
– FILMMAKER Festival Internationale di Cinema Milano
– VIS – Vienna Shorts Festival
– EMAF – European Media Art Film Festival Osnabrück